Female Voices of Resilience
Female Voices of Resilience versammelt Stimmen, die im Iran zum Schweigen gebracht werden – und gerade deshalb umso kraftvoller klingen. In einem außergewöhnlichen Konzertprojekt begegnen junge iranische Sängerinnen, die ihr Land erst vor kurzer Zeit verlassen mussten, dem Gürzenich-Orchester Köln. Sie gehören zu jener Generation von Künstlerinnen, deren Leben und Arbeit sich nach dem Mord an Jina Mahsa Amini im Jahr 2022 verändert hat. Viele von ihnen haben im Zuge der darauffolgenden Proteste den Iran verlassen – nicht aus freier Entscheidung, sondern aus der Notwendigkeit heraus, ihre Stimme und ihre Kunst zu schützen. Seit 1979 ist Frauen im Iran der Solo-Gesang vor Publikum verboten. Und doch ist es nie gelungen, diese Stimmen vollständig zum Verstummen zu bringen. Über Jahrzehnte hinweg haben iranische Frauen Wege gefunden, sich diesem Verbot zu widersetzen – leise, verborgen, beharrlich. Die Künstlerinnen dieses Abends stehen in genau dieser Tradition. Sie haben gesungen, obwohl sie nicht singen durften. Und sie stehen nun – erstmals gemeinsam – auf einer großen Bühne außerhalb des Iran. Gerade in dieser erstmaligen gemeinsamen Präsenz liegt die besondere Intensität dieses Konzerts. Was im Iran untersagt ist, wird hier sichtbar und hörbar: weibliche Stimmen im Zentrum, als künstlerische, kulturelle und politische Ausdrucksform zugleich. Das Programm entfaltet sich als musikalische Reise durch die kulturelle Vielfalt des Iran. Unterschiedliche Regionen, Sprachen und Klangtraditionen treten in Dialog – von aserbaidschanischen und kurdischen Einflüssen über qashghaiische und belutschische Musik bis hin zu zeitgenössischen Formen, die iranische und westliche Genres miteinander verweben. Diese transkulturelle Klanglandschaft eröffnet einen vielschichtigen Blick auf den Iran – jenseits vereinfachender Bilder, geprägt von Vielfalt, Bewegung und gegenseitiger Durchdringung. Zugleich entsteht in diesem Projekt eine besondere Form der Zusammenarbeit: Erstmals trifft ein transkulturell geprägtes iranisches Ensemble, das Inner Unity Ensemble, in dieser Konstellation auf das Gürzenich-Orchester Köln. Traditionelle iranische Instrumente begegnen dem sinfonischen Klangkörper, während die Soloauftritte junger iranischer Frauen das Zentrum bilden. Es entsteht ein musikalischer Raum, in dem sich unterschiedliche Traditionen nicht nur begegnen, sondern miteinander verschränken und neue Ausdrucksformen hervorbringen. Female Voices of Resilience ist damit mehr als ein Konzert. Es ist ein Moment der Sichtbarkeit, ein Raum der Selbstbehauptung und ein künstlerisches Zeugnis von Widerstand und Hoffnung. Wo Stimmen unterdrückt werden, wird hier Klang zu Präsenz – und Musik zu einer Form von Freiheit.